
Radio Toot-A-Loop, 1969 gefertigt aus Polystyrol von der Panasonic Matsushita Electric Industrial Co. Ltd, Tokyo K-1992-00243 (Bild: LVR Industriemuseum, Jürgen Hoffmann)
16.09.2026 Deutsches Kunststoffmuseum feiert 40-jähriges Bestehen
Die Geschichte der Kunststoffe zu sammeln, zu bewahren, wissenschaftlich zu erschließen und öffentlich zugänglich zu machen, ist seit vier Jahrzehnten die Aufgabe des Kunststoff-Museums-Vereins e. V. (KMV). 2026 blickt der Träger des Deutschen Kunststoffmuseums auf sein 40-jähriges Bestehen zurück – und zugleich nach vorn.
Am 10. April 1986 riefen Vertreter aus Wissenschaft, Kunststoffindustrie und Anwenderkreisen den Kunststoff-Museums-Verein ins Leben. Ihr Ziel war ambitioniert: Die wissenschaftliche, technische, wirtschaftliche und kulturelle Bedeutung der noch recht jungen Werkstoffklasse Kunststoffe sollte dokumentiert und einer breiten Öffentlichkeit vermittelt werden. Zugleich galt es, historisch bedeutende Produkte, Materialien, Produktionsmaschinen und Zeugnisse der noch jungen Werkstoffgeschichte für kommende Generationen zu erhalten. Aus dieser Initiative ist in 40 Jahren die wohl bedeutendste Sammlung zur Kunststoffgeschichte in Deutschland entstanden.
Heute umfasst die Sammlung des Deutschen Kunststoffmuseums mehr als 22.000 Objekte. Sie dokumentieren die Entwicklung polymerer Werkstoffe vom späten 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart und spiegeln zugleich Technik-, Industrie-, Design- und Alltagsgeschichte wider. Historische Gegenstände aus Celluloid und Bakelit finden sich darin ebenso wie Elektrogeräte, Telefone, Kameras, Haushaltswaren, Spielzeug, Möbel und Designklassiker. Hinzu kommen Materialproben, Mustersammlungen, Dokumente und ausgewählte Zeugnisse der Kunststoffverarbeitung.
Gerade die vermeintlich alltäglichen Gegenstände machen den besonderen Wert der Sammlung aus. Was heute selbstverständlich erscheint oder längst aus dem täglichen Gebrauch verschwunden ist, erzählt häufig viel über die technische Entwicklung seiner Zeit. Kunststoffgeschichte ist deshalb weit mehr als Werkstoffgeschichte: Sie ist zugleich Wirtschafts-, Kultur- und Gesellschaftsgeschichte. Die Sammlung zeigt darüber hinaus, wie eng Materialentwicklung, Produktionsverfahren und Produktgestaltung miteinander verbunden sind.
Das ursprüngliche Ziel der Vereinsgründer war ein eigenständiges Deutsches Kunststoffmuseum. Dieses existierte im NRW-Forum in Düsseldorf allerdings nur von 1998 - 2002. Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen machten den dauerhaften Betrieb eines eigenen Museumshauses jedoch schwierig. Der Trägerverein KMV entwickelte deshalb schon früh andere Wege, um seine Sammlung sichtbar und zugänglich zu machen. Wanderausstellungen, thematische Präsentationen und Leihgaben brachten die Kunststoffgeschichte an zahlreiche Orte und erreichten Menschen auch außerhalb klassischer Museumsräume.
Einen wichtigen Schritt für die langfristige Sicherung der Sammlung markierte das Jahr 2017. Seitdem befindet sich der Bestand als Dauerleihgabe im Peter-Behrens-Bau des LVR Industriemuseums in Oberhausen, mit dem eine langfristige Kooperation vereinbart wurde. Dort stehen professionelle Depotbedingungen und museale Infrastruktur zur Verfügung. Gleichzeitig bleibt der Kunststoff-Museums-Verein Eigentümer und fachlicher Motor seiner Sammlung.
Eine immer wichtigere Rolle spielt dabei das virtuelle Museum. Mehr als 7.000 Objekte können inzwischen online recherchiert werden. Damit wird ein wachsender Teil des Bestands unabhängig von Ort und Öffnungszeiten für Fachleute, Forschende und alle an Kunststoffgeschichte Interessierten zugänglich.
Nach 40 Jahren stehen der Trägerverein KMV und das Deutsche Kunststoff-Museum damit für weit mehr als die Bewahrung historischer Gegenstände. Diese Aufgabe endet nicht mit dem Jubiläum. Im Gegenteil: Mit jeder neuen Werkstoffgeneration, jeder Verfahrensverbesserung und jedem neuen Produkt wächst auch die Geschichte, die es für kommende Generationen zu dokumentieren gilt. Gleichzeitig müssen bestehende Bestände weiter restaurationswissenschaftlich erschlossen und digital verfügbar gemacht werden. Dafür braucht das Deutsche Kunststoff-Museum auch künftig die Verbindung zur Kunststoffbranche. Unternehmen, Verbände, Wissenschaftler, Sammler und Privatpersonen haben die Sammlung vier Jahrzehnte mit aufgebaut. Ihr Wissen, ihre Objekte und ihre Unterstützung bleiben entscheidend, damit die Geschichte der Kunststoffe nicht verloren geht. Das 40-jährige Jubiläum ist deshalb nicht nur Anlass für einen Blick zurück. Es ist zugleich eine Einladung an die Branche, ihr eigenes technisches und kulturelles Erbe als gemeinsame Aufgabe zu verstehen.
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