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10.03.2026 Wann und für was sind wir Expert:innen?
Expertise ist mehr denn je gefragt – gerade weil Information und Desinformation heute überall verfügbar sind. Spätestens seit dem KI-Boom wird deutlich: Ergebnisse sind nur die halbe Miete.
Es braucht Menschen, die sie einordnen, bewerten und verantworten können. Doch wer ist heute eigentlich Expert:in? Und woran erkennen wir Expertise, wenn wir sie wirklich brauchen?
Gerade im Bereich Dichten. Kleben. Polymer. sind die Fragestellungen heute komplex – mit steigender Tendenz. Gleichzeitig wird die Expertise vieler, die sich mit der Lösung dieser Fragestellungen beschäftigen wollen oder müssen, zunehmend kritisch hinterfragt.
Benötigtes Expertenwissen kann heute hochspezialisiertes Detailwissen sein, erfordert aber immer häufiger auch ein interdisziplinäres Verständnis von Zusammenhängen. Damit sind wir beim Kontext einer Fragestellung – und damit fast zwangsläufig bei einem zentralen Aspekt der KI-Nutzung. Denn Expertise braucht man heute bereits, um die richtigen Fragen zu stellen. Wer schon einmal intensiv mit Prompts gearbeitet hat, weiß, wie stark das Ergebnis von der Qualität der Fragestellung abhängt.
KI ist heute längst nicht mehr nur ein Hilfsmittel. Sie zwingt uns zur Reflexion unserer eigenen Expertise – und dazu, was sie eigentlich ausmacht. Für mich setzt Expertise ein umfassendes Know-how im Kontext der jeweiligen Fragestellung ebenso voraus wie praktische Erfahrung. Untrennbar damit verbunden ist die Bereitschaft, besser noch der Wille zum lebenslangen Lernen, sowie Offenheit gegenüber Neuerungen und Veränderungen.
Expert:innen müssen nicht alles wissen. Sie sollten dies jedoch transparent kommunizieren und über ein Netzwerk verfügen, das Antworten liefert. Bei vielen komplexen Themen bedeutet Expertise heute vor allem die Fähigkeit zur Einordnung, zur Orientierung und dazu, durch sinnvolle Priorisierungen eine tragfähige Umsetzung zu gestalten. Gerade bei unseren Themen ist in der Praxis zusätzlich echte Lösungskompetenz gefragt. Viele Wege führen nach Rom – doch welcher ist im konkreten Fall der Beste?
Und dann wäre da noch der vielzitierte kritische und gesunde Menschenverstand. Es gibt leider immer mehr Menschen, die glauben, es handle sich dabei um ein Fabelwesen. Dabei lautet die einfachste Frage zu einem Expertenrat meist: Kann das sein? Ist das plausibel? Die Emotionaleren formulieren es so: Fühlt sich das richtig an? Diese Intuition sollten wir nicht unterschätzen. Manchmal liegt klar auf der Hand, dass ein Rat keine Lösung ist. Manchmal erkennt man den Knackpunkt nicht sofort – es fühlt sich einfach nicht stimmig an. Beiden Betrachtungsweisen sollte man konsequent auf den Grund gehen.
Die vielen zusammenwirkenden Aspekte von Expertise sollten heute Anlass zur persönlichen Reflexion sein: Wofür bin ich eigentlich Expert:in – und warum? Die Antwort auf diese Frage wird immer wichtiger. Die KI-Entwicklung ist rasant, die Tools werden leistungsfähiger und breiter eingesetzt. Arbeitsbereiche ohne KI werden seltener werden – wenn sie nicht teilweise sogar ganz verschwinden. Expertise ist notwendig, um
gemeinsam mit KI die Zukunft zu gestalten. Diese Herausforderung sollten wir – wenn wir nach kritischer Selbstprüfung wirklich Expert:innen sind – nicht unterschätzen. Und wenn wir zu den Themen, die unser Berufsleben ausmachen, noch kein Experte bzw. keine Expertin sind, dann werden wir es eben. Expertise haben, ist kein Status. Es ist eine Entscheidung – jeden Tag aufs Neue.
„Diese Frage empfinde ich als wachsende Herausforderung.“ Holger Best, Content Manager
