Wann fangen wir an zu lernen und was  machen wir dann daraus?

(Bild: KI generierte Illustration, erstellt mit Open AI (Dall-E)

17.06.2026 Wann fangen wir an zu lernen und was machen wir dann daraus?

von Karl-Friedrich Berger (ISGATEC GmbH)

2020 hat die Corona-Pandemie über Nacht die Grenzen der globalen Wirtschaft aufgezeigt: steigende Preise, Lieferengpässe, unter Druck geratene Partnerschaften – auch im Bereich Dichten. Kleben. Polymer. war plötzlich vieles nicht mehr wie zuvor.

Es folgten zahlreiche Appelle und Forderungen nach Veränderung. Doch an vielen Stellen kehrte man schnell wieder zum Alltag zurück. Es war ja noch einmal gut gegangen.

Heute stehen wir erneut vor tiefgreifenden Veränderungen. Neue wirtschaftspolitische Agenden, zunehmende Unsicherheiten und geopolitische Spannungen prägen die Rahmenbedingungen. Dabei wird Wirtschaftspolitik zunehmend offen als Instrument im Wettbewerb eingesetzt – selbst unter „Freunden“. Eine Folge dieser Spannungen sind zunehmend auch bewaffnete Konflikte. Damit geraten, z.B. an der Straße von Hormus, wieder zentrale Handelsrouten unter Druck, mit direkten Folgen für Lieferketten und Preise. Derzeit ist nicht klar, ob wir wieder zu einem „zuvor“ zurückkehren können. Sollten sich daraus dauerhaft neue Kostenstrukturen – etwa in Form zusätzlicher Abgaben oder Unsicherheiten – etablieren, hätte das direkte Auswirkungen auf Preise und Lieferketten.

Die Situation erinnert in vielem an 2020. Umso drängender ist die Frage: Was haben wir damals daraus gelernt? Und was bedeutet das für unsere Resilienz? Ein Schlagwort war und ist: Fertigung in Europa. Das ist richtig, macht aber nur dann unabhängiger, wenn auch die notwendigen Materialien hier verfügbar sind. Und die Verarbeitung von Dichtungen und Klebstoffen ist – je nach Anwendung – energie­intensiv. Energiepreise und deren Ausgestaltung sind damit ein zentraler Faktor für die Wettbewerbsfähigkeit in Europa und speziell des Standorts Deutschland.

Die Dichtungs-, Klebstoff- und Polymerindustrie in Deutschland ist – neben einigen großen Playern – überwiegend mittelständisch geprägt. Die Frage ist daher nicht nur, ob wir lernen, sondern auch, welche Handlungsspielräume wir tatsächlich haben. Viele Stellschrauben liegen außerhalb des direkten Einflusses einzelner Unternehmen.

Müssen Lösungen also künftig stärker im Verbund gedacht werden? Das oft zitierte Bild vom „gemeinsamen Boot“ reicht heute nicht mehr. Schon früher wurde selten konkret geklärt, was das eigentlich bedeutet – und wer welchen Beitrag leistet. Heute brauchen wir klare Ansätze – und den Willen, sie umzusetzen. Einfach wird das nicht. Der wirtschaftspolitische Rahmen, in dem wir lange gedacht haben, verändert sich grundlegend. Umso wichtiger wird die Frage, welchen Rahmen wir uns selbst geben können. Früher waren es Wertefundamente eines verantwortungsvollen unternehmerischen Handelns, die Orientierung boten. Können sie auch heute eine Basis für neue Denkmodelle sein?

Sicher ist: Wir können es uns nicht leisten, weiter nur zu reagieren. Wir müssen Anker definieren, an denen sich unsere Wirtschaft in Europa orientieren und wachsen kann. Für Unternehmen im Bereich Dichten, Kleben und Polymer ist das besonders relevant. Sie werden sich dieser Aufgabe stellen müssen. Denn ihre Lösungen sind eine wesentliche Grundlage industrieller Wertschöpfung in Europa – oft unterschätzt, aber system­relevant.

Karl- Friedrich Berger
„In einem Bootsitzen, reicht als Diagnose heute nicht mehr, wir müssen auch an der Transormation arbeiten.“ Karl- Friedrich Berger

Lösungspartner

ISGATEC GmbH

Zielgruppen

Einkauf, Instandhaltung, Konstruktion & Entwicklung, Produktion & Fertigung, Qualitätssicherung, Unternehmensleitung, Vertrieb