Ihre Meinung zählt!

Derzeit läuft unsere Umfrage zum Thema Nachhaltigkeit 2026
Ihre Meinung zählt!
Jetzt gleich teilnehmen: zur Umfrage

Traue keiner Statistik, die du nicht selbst erstellt hast und im Detail nachvollziehen kannst

(Bild: Erstellt mit DALL-E (OpenAI), 2026)

09.09.2026 Traue keiner Statistik, die du nicht selbst erstellt hast und im Detail nachvollziehen kannst

von Karl-Friedrich Berger (ISGATEC GmbH)

– Dass wir in unberechenbaren Zeiten leben, steht außer Frage. Das ändert aber nichts daran, dass wir versuchen, Entwicklungen und Prognosen mit Zahlen zu beschreiben.

Hilft uns das, Entwicklungen realistisch einzuordnen? Ich habe da meine Zweifel, denn allzu oft klammern wir uns an Zahlen, die beispielsweise Hoffnung vermitteln, die wirtschaftliche Realität vieler Unternehmen jedoch nur unzureichend widerspiegeln.

So wurde jüngst in einem Branchenvergleich gegenüber dem Vorjahr ein Umsatzanstieg von 1,3 % ausgewiesen. Das ist heute ein Signal der Hoffnung. Maßgeblich dafür war allerdings ein außergewöhnlich starker Juni mit einem Plus von 11,3 %. Gleichzeitig mussten die kleinsten Betriebe Umsatzrückgänge von 6,6 % hinnehmen, während größere Unternehmen ein Plus von 3,2 % erzielten.

Doch was sagen uns diese Zahlen wirklich? Wer lediglich auf den nominalen Umsatz blickt, übersieht die eigentliche Entwicklung. In den vergangenen Monaten sind die Einkaufspreise – insbesondere für Elastomere und Kunststoffe – je nach Material um 10 bis 50 % gestiegen. Hinzu kommen höhere Transportkosten, steigende Löhne, ein wachsender bürokratischer Aufwand sowie immer neue regulatorische Anforderungen – von PFAS über die EU-Entwaldungsverordnung bis hin zu erweiterten Nachhaltigkeits- und Berichtspflichten. Gleichzeitig belasten geopolitische Unsicherheiten, volatile und hohe Energiepreise sowie internationale Handelskonflikte die Planungssicherheit der Unternehmen zusätzlich.

Kaufmännisch betrachtet erscheint ein Umsatzplus von 3,2 % bei größeren Unternehmen und ein Rückgang von 6,6 % bei kleineren Betrieben vor diesem Hintergrund in einem völlig anderen Licht. Preisbereinigt kann in vielen Unternehmen kaum von einem Wachstum gesprochen werden. Die Umsatzsteigerungen können in zahlreichen Unternehmen bestenfalls ihre Erträge stabilisieren.

Steigende Kosten bei überschaubaren Umsatzsteigerungen beziehungsweise Umsatzrückgängen verschärfen aktuell den Druck entlang der gesamten Lieferkette. Lieferanten wie Kunden ringen gleichermaßen um Margen, Erträge und Marktanteile. Besonders bedenklich ist dabei, dass der Begriff Partnerschaft zunehmend an Bedeutung verliert. Preisforderungen werden nicht selten nach dem Prinzip „Friss oder stirb“ weitergereicht – unabhängig davon, ob der – vielleicht langjährige – Geschäftspartner diese wirtschaftlich überhaupt verkraften kann.

Vor allem kleine und mittelständische Unternehmen geraten dadurch in eine schwierige Lage. Ihnen fehlt häufig die Verhandlungsmacht gegenüber großen Lieferanten, gleichzeitig können sie Kostensteigerungen nur begrenzt an ihre Kunden weitergeben. Größere Unternehmen verfügen dagegen meist über stabilere Kunden-Lieferanten-Beziehungen und können gemeinsam eher nach tragfähigen Lösungen suchen.

Doch kommen wir zu den veröffentlichten Zahlen zurück. Das genannte Umsatzplus gibt aus meiner Sicht keinen Anlass zur Entwarnung. Es zeigt allenfalls, dass unsere Branche bislang bemerkenswerte Widerstandskraft bewiesen hat. Von einer nachhaltigen Erholung sind wir jedoch noch ein gutes Stück entfernt.

Und deshalb sollten wir uns gerade jetzt nicht von vermeintlich positiven Kennzahlen blenden lassen. Gefragt sind vielmehr Ehrlichkeit im Umgang mit der wirtschaftlichen Realität, partnerschaftliches Handeln entlang der Wertschöpfungskette und die Bereitschaft, bestehende Strukturen kritisch zu hinterfragen. Wer die kommenden Jahre erfolgreich gestalten will, muss offen für Veränderungen sein – und den Mut haben, Bewährtes neu zu denken. Und dazu gehört auch die realistische Einordnung unserer üblichen Benschmark-Zahlen. Denn eines ist sicher: Nicht die Statistik entscheidet über die Zukunft unserer Unternehmen, sondern unsere Fähigkeit, auf Veränderungen entschlossen und gemeinsam zu reagieren.

Karl-Friedrich Berger
„Zahlen und Statistik beschreiben unsere Wirtschaft – man muss sie aber richtig einordnen. Das war schon immer so, ist aber heute wichtiger denn je.“ Karl-Friedrich Berger

Lösungspartner

ISGATEC GmbH

Zielgruppen

Einkauf, Instandhaltung, Konstruktion & Entwicklung, Produktion & Fertigung, Qualitätssicherung, Unternehmensleitung, Vertrieb