
Durch die Plasmaaktivierung erhöht sich die Oberflächenenergie und die Benetzbarkeit des Kunststoffs wird deutlich sichtbar verbessert (Bild: Plasmatreat GmbH)
26.10.2026 Plasma: Der Schlüssel zu dichten und langlebigen Verbindungen
Atmosphären- und Niederdruckplasma für reproduzierbare Oberflächenfunktionalisierung
Wenn Dichtsysteme versagen, liegt die Ursache häufig nicht im Werkstoff selbst, sondern in der Grenzfläche. Unsichtbare Verunreinigungen, minimale Oxidschichten oder eine zu geringe Oberflächenenergie können ausreichen, um die Haftung und Abdichtung von Bauteilen und Komponenten zu beeinträchtigen, sodass ein Medieneintritt ermöglicht wird. Plasmaanwendungen zeigen hier einen effizienten Lösungsweg auf: Sie verändern Oberflächen gezielt auf molekularer Ebene und schaffen reproduzierbare Bedingungen für stabile Prozesse. Dabei sind sie umweltschonender als herkömmliche Verfahren, denn sie kommen ohne den Einsatz von Nasschemie aus.
In der industriellen Fertigung haben sich zwei Ansätze dieser Art der Oberflächenvorbehandlung etabliert: Atmosphärendruckplasma und Niederdruckplasma. Beide Technologien folgen denselben physikalischen Prinzipien, unterscheiden sich jedoch in ihren Betriebsbedingungen und ergänzen sich gezielt.
Plasma gilt als vierter Aggregatzustand der Materie und entsteht, wenn einem Gas ausreichend Energie zugeführt wird, sodass ein Teil seiner Atome und Moleküle ionisiert wird. Dabei werden Elektronen aus ihren Bindungen gelöst, wodurch sich ein Gemisch aus freien Elektronen, Ionen, angeregten Teilchen und reaktiven Radikalen bildet. Dieses ionisierte Gas zeichnet sich durch eine hohe elektrische Leitfähigkeit und eine ausgeprägte chemische Reaktivität aus. In Form von Openair-Plasma (Atmosphärendruckplasma) und Aurora-Plasma (Niederdruckplasma) wird Plasma für industrielle Zwecke nutzbar. Beide Varianten basieren auf denselben physikalischen Prinzipien, unterscheiden sich jedoch in ihrer technischen Umsetzung und Prozessführung. Während sich Openair-Plasma direkt in offene Produktionsprozesse integrieren lässt, wird Aurora-Plasma in abgeschlossenen Systemen eingesetzt.

