
(Bild: Adobe Stock_crimson)
09.09.2026 Materialentwicklung ist mehr als Chemie
Vergussmaterial- und Klebstoffentwicklung weg von Kompromissen hin zur Innovation
Steigende Anforderungen an Verguss und Klebverbindungen führen zu immer mehr individuell entwickelten Materialien. Im Gespräch mit den Geschäftsführern der epoxonic GmbH, Ludwig Guggenberger und Ferdinand Gerblinger, wurde deutlich, dass der Fokus auf die reine Materialentwicklung oft zu kurz springt.
Es gibt angeblich mehr als 30.000 Klebstoffe und Vergussmaterialien – warum müssen da neue Materialien entwickelt werden?
Gerblinger: Industrielle Anwendungen unterscheiden sich stark in Substraten, Geometrien, Belastungen und Fertigungsprozessen. Deshalb reicht ein Standardmaterial oft nicht aus – insbesondere, wenn mehrere Anforderungen gleichzeitig erfüllt werden müssen. Beim Verguss dichter elektronischer Baugruppen kann beispielsweise ein Standardharz elektrisch isolieren, aber zu spröde, zu viskos oder nicht wärmeleitfähig genug sein. In solchen Fällen entwickeln wir im engen Austausch mit den Kunden Produktlösungen, die ideal auf dessen Anforderungen zugeschnitten sind.
Klebstoffe und Vergussmaterialien basieren teilweise auf ähnlichen Chemien. Wo liegen dann die entscheidenden Unterschiede bei Entwicklung und Einsatz?
Guggenberger: Bei Klebstoffen sind vor allem die Eigenschaften als Haftvermittler zwischen den Fügepartnern und die Zuverlässigkeit dieser Verbindung (Haftung, Festigkeit und Alterungsbeständigkeit) essenziell. Vergussmassen schützen, isolieren, füllen Hohlräume und übernehmen häufig zusätzliche Funktionen wie Wärmeableitung oder Spannungsentlastung. Daher steht bei Vergussmassen ein breiteres Eigenschaftsspektrum, wie beispielsweise Verarbeitbarkeit, Blasenfreiheit, Schrumpf, elektrische und thermische Eigenschaften, im Fokus.

„Ein gelungenes Material ist immer ein Gesamtpaket, bei dem Entwicklung, Anwendungstechnik, Qualität und After-Sales-Betreuung ineinandergreifen.“ Ludwig Guggenberger

„Der größte Nutzen entsteht dann, wenn Materialentwicklung als Teil der gesamten Kundenlösung betrachtet wird.“ Ferdinand Gerblinger
