Kondensationsvernetzende Silikone

Silikone

17.06.2026 Kondensationsvernetzende Silikone

Der Weg vom Oxim- zu Alkoxyvernetzenden Silikonen – Technologiewandel in der Industrieanwendung

von Sebastian Maaß (Hermann Otto GmbH | Otto-Chemie)

Alkoxyvernetzende Silikone gelten heute unter Arbeitsschutz- und Verarbeitungsgesichtspunkten vielfach als die bevorzugte Lösung – auch wenn sie nicht jede Anwendung abdecken. Bei der Materialauswahl sollte man deshalb alle Vernetzungsmechanismus bei RTV-Silikonen kennen, um die optimale Auswahl hinsichtlich Sicherheit, Geruch, Haftung und Einsatzgrenzen zu treffen.

Chemische Grundstruktur und Hochtemperaturbeständigkeit
Das Rückgrat aller Silikone ist die Polydimethylsiloxan-Kette – [Si(CH₃)₂–O]n – (PDMS). Die Si–O-Bindungsenergie von ca. 452 kJ/mol – gegenüber 346 kJ/mol der C–C-Bindung – erklärt die thermische Überlegenheit gegenüber organischen Kautschuken. Standard-Kondensationssilikone sind dauerhaft bis 200 °C bzw. 250 °C einsetzbar. Durch den Einsatz von Phenylgruppen oder Eisenoxidpigmenten (Fe₂O₃) als Hitzestabilisatoren werden Spezialtypen bis 350 °C realisiert.

RTV-1 und RTV-2 – Systemübersicht
RTV (Room Temperature Vulcanizing) steht für die Vulkanisation bei Raumtemperatur. Beide Systemklassen basieren auf kondensationsvernetzenden Mechanismen, unterscheiden sich in ihrer Verarbeitungslogik und Einsatztiefe (Tab. 1). RTV-1-Systeme sind fertig konfektioniert und reagieren nach Kontakt mit der Luftfeuchtigkeit. Die H₂O-Diffusion begrenzt die maximale Schicht­dicke auf ca. 12 mm pro Auftrag. RTV-2-Systeme dagegen härten nach dem Vermischen zweier Komponenten (Basis und Vernetzer/Katalysator) vollständig durch – unabhängig von Schichtdicke oder Luftfeuchtigkeit. Dies prädestiniert sie für Verguss- und Abformaufgaben.

Lösungspartner

Hermann Otto GmbH | Otto-Chemie

Zielgruppen

Konstruktion & Entwicklung, Produktion & Fertigung