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17.06.2026 Folgen fundiert abschätzen
Der Begriff „Folgenabschätzung“ taucht heute in vielen politischen und fachlichen Diskussionen auf. Dabei wird zunehmend infrage gestellt, ob sie überhaupt gemacht wurde – und wenn ja, ob sie ausreichend und richtig erfolgt ist.
Diese Frage stellt sich auch aus technischer Perspektive, etwa bei Themen wie PFAS oder verschiedenen – z.T. geplanten – Regulierungen im Bereich des Klebens. In der EU existieren im Grunde zwei Ebenen der Folgenabschätzung: zum einen das EU-Impact-Assessment, ein Instrument zur Bewertung neuer EU-Gesetzgebung. Dabei werden wirtschaftliche Aspekte wie Kosten, Wettbewerbsfähigkeit und Innovation ebenso betrachtet wie soziale Auswirkungen – etwa auf Beschäftigung, Verbraucher oder Gesundheit – sowie Umweltfolgen, z.B. für Klima, Ressourcen oder Umweltbelastungen. Zum anderen existiert auf der „stofflichen Ebene“ in der Chemikalienregulierung eine besondere Form der Folgenabschätzung: die Socio-Economic Analysis (SEA), z.B. im Rahmen von REACH-Regulierungen. Im RAC (Risk Assessment Committee) werden Risiken bewertet, während das SEAC (Socio-Economic Analysis Committee) wirtschaftliche und gesellschaftliche Auswirkungen betrachtet – allerdings mit Fokus auf einzelne Stoffe.
Gerade beim Kleben prallen diese beiden Ansätze der Folgenabschätzung aufeinander. Daraus ergibt sich eine zentrale Frage: Sollte man die Folgen einer Verbindungstechnologie, die auf einem spezifischen Prozess beruht, ausschließlich über die stoffliche Ebene des Ausgangsproduktes bewerten? Ein ähnliches Spannungsfeld zeigt sich auch bei der PFAS-Regulierung. Eine wichtige Erkenntnis der vergangenen Jahre war, dass mögliche Folgen eines Verbots bestimmter PFAS-Dichtungswerkstoffe für technologisch getriebene Trends – etwa E-Mobilität, Energiewende oder Digitalisierung – nicht immer ausreichend berücksichtigt oder zumindest nicht transparent kommuniziert wurden.
Dabei ist eine gründliche Folgenabschätzung für die industrielle Entwicklung Europas von zentraler Bedeutung. Regulierung ist grundsätzlich positiv zu bewerten: Sie soll Mensch und Umwelt schützen. Sie kann auch ein sinnvolles „Stoppsignal“ sein, wenn sich Verantwortungslosigkeit im Umgang mit Technologien ausbreitet.
Problematisch wird Regulierung jedoch dann, wenn ihre Ziele nicht verstanden oder nicht geteilt werden. Oder wenn Regulierungsprozesse so lange dauern und für so viel Unsicherheit sorgen, dass sich Märkte bereits in andere Richtungen entwickeln. Diese Punkte haben wir in verschiedenen Bereichen erreicht. Dabei lebt Europa – wirtschaftlich betrachtet – nicht auf einer Insel. Als Teil einer volatilen Weltwirtschaft spielen Wettbewerbsfähigkeit sowie mögliche Wettbewerbsnachteile eine zentrale Rolle – und müssen daher auch Teil einer umfassenden Folgenabschätzung sein.
Regulierungen sollen eigentlich einen Bewegungsrahmen definieren, in dem sich Unternehmen verlässlich bewegen können. Denn auch Unternehmen müssen die Folgen ihrer Geschäftsaktivitäten abschätzen. Der Begriff der Planungssicherheit ist allerdings in den letzten Jahren vielerorts aus dem Wortschatz verschwunden. Stattdessen hört man immer häufiger vom „Fahren auf Sicht“. Mit einer systematischen Folgenabschätzung hat das wenig zu tun.
Wie wichtig ist also eine fundierte Folgenabschätzung – gerne auch auf verschiedenen Ebenen, aber in einem konsistenten und transparenten Konzept – für die Gestaltung unserer Industriegesellschaft in Europa? Ich halte sie für zentral. Denn momentan scheint Europa eher ein tragfähiges Konsensmodell für Folgenabschätzungen zu benötigen als immer neue Regelungen, die häufig auch mit erheblichem bürokratischem Aufwand verbunden sind. Entscheidend wird dabei sein, ob technologische Realitäten, wirtschaftliche Auswirkungen und gesellschaftliche Ziele künftig wirklich gemeinsam betrachtet werden – oder weiterhin getrennt voneinander.

„Folgenabschätzung ist ein Thema, mit dem wir uns vielleicht mal grundsätzlicher beschäftigen sollten“ Holger Best, Content Managerr Best, Content Manager
