Für Rohstoffe wie Silikon sind kaum Bio-Alternativen in Sicht (Bild: OST)
09.09.2026 Biobasierte Werkstoffe: Realität oder Zukunftsmusik?
Aktuelle Einschätzungen zu biobasierten Materialien, ihrer Bewertung und ihrem Praxiseinsatz
Bei der Auswahl ist es aus drei Gründen hilfreich, vorab nach Materialien, Mengen und Anwendungen zu differenzieren: erstens sollte der gesamte Lebenszyklus einbezogen werden, nicht nur die Materialherkunft.
So wirkt sich bei Hochleistungsthermoplasten wie PEEK die Recyclierbarkeit, bzw. die Verwendung von Recyclat, sehr viel stärker auf den CO2-Fussabdruck aus, als ein Bio-Rohstoff, da in diesem Fall der Herstellprozess selbst einen Großteil der Emissionen verursacht. Bei einfacheren Dichtungspolymeren gibt es zweitens oft schon technisch identische drop-in-Lösungen, beispielsweise Bio-EPDM auf Basis von Zuckerrohr. Drittens sind bei Dichtstoffen mit hohen Einsatztemperaturen wie Silikonen oder FKM bisher noch kaum Bio-Alternativen in Sicht. Diese Stoffgruppe repräsentiert aber nur wenige Zehntel-% der globalen Kunststoffproduktion, sodass hier ggf. Sicherheitsanforderungen Vorrang vor Nachhaltigkeit haben. Begrenzt wird der Einsatz von bio-Dichtstoffen durch das Preisniveau, Zulassungshürden und vielleicht immer noch durch verwirrende Begrifflichkeiten (bio-basiert = nicht unbedingt bio-abbaubar).

„Biobasierte Dichtungswerkstoffe gewinnen an Bedeutung, weil die Anwendenden zunehmend CO2-Fußabdruck und Rohstoffherkunft hinterfragen. Anfragen zu Materialsubstitution sind aber bei uns noch selten.“ Dr. Arno Maurer, Senior Research Scientist, Ostschweizer Fachhochschule (OST), Polymer Coach

