12.04.2016

3D-Drucker werden unsere Welt verändern – so oder so

In zunehmenden Maß ist die 3D-Drucktechnologie in aller Munde. Welche Einflüsse wird dieser Trend auf unsere zukünftige Entwicklung haben? Welche Chancen und Risiken sind damit verbunden? Einige Presse-Headlines lassen Großes erwarten: Allein der US Fertigungsmarkt soll (laut Wohlers, UBS, Bain) von 3,1 Mrd. $ 2013 bis 2016 auf ca. 7 Mrd. $ und bis 2018 auf 12,5 Mrd. $ wachsen. Opel reduziert – laut K-Zeitung vom 4.12.15 – mit 3D-Druck Herstellkosten von Montagewerkzeugen um 90%. Und in der derselben Ausgabe wird getitelt: „Kombination von Simulation und 3D-Druck steigert Leistungsfähigkeit von Bauteilen“.

 

Cartoon DICHT! 1.2016  3D Drucker

Derzeit begrenzt zwar die Werkstoffauswahl verglichen mit den denkbaren Möglichkeiten das Einsatzspektrum, doch es gibt fast monatlich Meldungen über neue Werkstoffe, die sich mit dieser Technologie verarbeiten lassen. Stand der Technik ist, dass mit dem 3D-Druck derzeit überwiegend Teile aus Keramik, aus 6 bis 8 Thermoplasten und Silikon produzierbar sind. Ein Silikonspezialist will im Verlauf des Jahres die Produktion von 2K-Silikonteilen mittels 3D-Druck aufnehmen. Auch ein Dosiertechnikspezialist hat eine Dosiereinheit entwickelt, mit der recht universelle Drucker für die Produktion von Teilen ausgerüstet werden können.  

Schrecken heute teilweise die hohen Investitionskosten für die Anschaffung eines 3D Druckers noch ab, wird dieses Kriterium mit der Verbreitung der Technologie und daraus resultierenden sinkenden Anschaffungskosten an Bedeutung verlieren. Betrachtet man unseren Alltag, braucht man nicht viel Phantasie, um sich vorzustellen wohin die Reise geht. In der Konstruktion und Entwicklung wurden bisher oft mittels Simulation z.B. die beste Teilegeometrie ermittelt und z.T. mittels Versuchswerkzeugen erste Prototypen gebaut. Die Korrektur der Geometrien bedingte zumeist, dass ein neues Werkzeug erstellt werden musste. Das ist aufwändig und teuer. Auch entsteht aus diesem Prozess eine gewisse Abhängigkeit von den Prototypenherstellern. Zukünftig kann ein Unternehmen mittels 3D-Technik wesentlich einfacher auch experimentell Entwicklungen vorantreiben. Aber nicht nur in diesem Bereich wird die Technik bedeutend. Auch im Bereich der Ersatzteileversorgung wird diese Technik dazu führen, dass weniger Teile zu bevorraten sind und eine längere Verfügbarkeit möglich ist. Auch in Unternehmen, die eine Vielzahl unterschiedlicher Teile benötigen, wie z.B. im Maschinen- und Anlagenbau wird diese Technik die Unternehmen viel flexibler und Lieferanten eventuell überflüssig machen.

Zu all dem kommt, dass auf dieser Basis auch Logistikkosten nicht oder in geringerem Maß anfallen, was ein weiterer z.T. gravierender Vorteil ist. Risiken und Prozesse verlagern sich aber auf diese Weise eventuell wieder zurück auf das 3D-druckende Unternehmen. Es bleibt spannend. Und wenn man Industrie 4.0-Ansätze gedanklich durchspielt, drängt sich z.B. schnell die Frage auf, wann etwa eine Dichtung kommt, die meldet, dass sie nicht optimal passt, an der ein oder anderen Stelle dicker oder dünner sein müsste oder nicht richtig montiert ist. Auf der Basis dieser Informationen wird dann die optimale Dichtung für diese Dichtungsstelle automatisch per 3D-Drucker gefertigt. Wenn sie dann noch von einem Montageroboter – versorgt mit den richtigen Montagewerten – eingebaut wird, ist der vielgescholtene Faktor Mensch konsequent eliminiert und es sind damit viele aktuelle Diskussionen beendet.

Eine Utopie oder müssten wir es einfach nur tun? Die Technik dazu ist ja in weiten Teilen verfügbar. Was meinen Sie dazu – Utopie oder Zukunft?

Themen:
© ISGATEC GmbH 2018