Sie sind hier: Startseite / Media / DICHT! / DICHT! Ausgabe 2.2009

Fachmagazin DICHT!

DICHT! Ausgabe 2.2009

Jahresabonnement Fachmagazin DICHT! im Inland (4 Ausgaben):

Preis:
ab € 43,30
ISSN:
1863-4699

Fachartikel:

Kommentar:

Im Alltag stellt sich häufig die Frage, ob bei der Festlegung von Werkstoffen für Elastomerteile  auf ein Markenprodukt zurückgegriffen werden soll. Die Entscheidung ist nicht einfach, da dies u.a. auch beträchtliche Auswirkungen auf einen wirklichen Preiswettbewerb hat. Vorteilhaft bei Markenelastomeren ist die implizierte Sicherheit für den Anwender, dass das Material umfangreich getestet und für den vorgesehen Einsatzfall eine gute Lösung darstellt. Ob dies im Einzelfall wirklich zutrifft, kann nur über Eigenversuche oder eine schriftliche Bestätigung des Herstellers abgesichert werden. Es gilt aber zu beachten, dass innerhalb der Markenfamilien oft zahlreiche Typen entwickelt wurden, die ein individuelles Anwendungsspektrum aufweisen. Somit muss die genaue Typenbezeichnung auch Bestandteil der Materialspezifikation bei Anfragen sein. Diese Festlegung führt insbesondere bei geringen Bedarfsmengen zu sehr hohen Grundpreisen. Allzu oft wird auch lediglich Verschnittmaterial angeboten und geliefert, was im Vorfeld genau zu hinterfragen ist, da die technischen Kennwerte stark abweichen können. [...]

Karl-Friedrich Berger (ISGATEC GmbH)
Werkstoffe:

Für Metallverklebungen haben sich Epoxidharzklebstoffe in vielen Bereichen bewährt und sind eine interessante Alternative zu anderen mechanischen kraft- und formschlüssigen Fügeverfahren wie dem Nieten, Schrauben, Schweißen, Löten. Aber auch hier bestimmt die Anwendung die Auswahl des Klebstoffes und ggf. auch die Vorbehandlung, um die Haftungseigenschaften zu verbessern.

Epoxidharzklebstoffe werden in der Metallverarbeitung für das Kleben von verschiedenen Metallen, Werkzeugvorrichtungen und Formen, Federn und Clip-Teilen eingesetzt. Sie kommen darüber hinaus zum Ankleben von Haltepunkten im Gerätebau, Anbauteilen im Maschinenbau, Wicklungen im Spulenbau, zum Einkleben von Membranen in Filtern und Schließanlagen, Dichtelementen auf Edelstahlplatten, Passungshülsen in Kunststoffwellen, Distanzringen im Motorenbau, Magneten, Sensoren sowie zur Montage von Griffelementen, Transportschienen aus Aluminium, Ferritkernen in Spulenkörpern und zum Ausgießen von Lufteinschlüssen bei Metalloberflächen zum Einsatz. [...]

Stefan Hilbrath, Tanja Hils (UHU Vertrieb GmbH Handwerk + Industrie)

In vielen Bereichen, wie der Bau- oder Automobilindustrie, werden heute vermehrt trägerlose Haftklebebänder – insbesondere mit „dicken“ selbstklebenden Klebstofffilmen – als selbstklebende Dichtstoffe eingesetzt. Dabei lassen sich – insbesondere durch die UV-Technologie bei der Fertigung – viele Leistungsparameter für abdichtende Klebebänder einstellen und eröffnen diesen Produkten ein breites Anwendungsspektrum.

Doppelseitige Klebebänder sind in verschiedene Typen zu unterscheiden, die sich aufgrund ihrer Eigenschaften unterschiedlich gut für die Abdichtungsaufgaben eignen. Klassische doppelseitige Schaumstoffklebebänder enthalten als Träger diverse Polyethylenschäume. Sie haben hervorragende physikalisch-mechanische Eigenschaften und eignen sich bestens zur Verbindung von unterschiedlichen Materialien. Ein Manko beim Einsatz besteht jedoch in stark begrenzter Dehnbarkeit und geringer Elastizität, die den Einsatz von derartigen Schaum- stoffklebebändern als Dichtmaterialien stark begrenzen. [...]

Prof. Dr. Zbigniew Czech, Dipl.-Ing. Agnieszka Butwin , Dipl.-Ing. Krzysztof Zych (Westpommersche Technische Universität Szczecin)
Dynamische Dichtungen:

Packungen werden heute gerne unterschätzt. Doch sind und bleiben sie – in hochwertiger Ausführung – eine moderne, verlässliche und (meistens) preiswerte Lösung im Dichtbereich – und das auch bei komplexeren Anwendungen.

Schon vor mehr als 30 Jahren meinten verschiedene Experten, dass Packungen der Vergangenheit angehören. Sie gingen davon aus, dass die Packungen von der technischen Entwicklung überholt würden und nicht anpassungsfähig genug seien – kurz und gut: modernen Industrieanforderungen nicht gewachsen wären. Diese Annahme ist gestern wie heute unbegründet und falsch: Am Anfang des einundzwanzigsten Jahrhunderts haben sich hochwertige Packungen zu technischen Produkten entwickelt, die immer noch einen jährlichen Zuwachs von etwa 2 bis 3% verzeichnen. Dieser positive Trend ist auf verschiedene Gründe zurückzuführen:

• Packungen sind einfach und leicht einzubauen – auch bei der Instandhaltung

• Geringere Stillstandszeiten – wenn bei einer mit Packungsringen ausgerüsteten Pumpe eine Leckage auftritt, hat man Zeit, einzugreifen – im Gegensatz zu anderen Dichtungssystemen, bei denen die Leckage schlagartig auftritt, sodass die Pumpe ausgeschaltet werden muss

• Hohe Materialflexibilität – viele neu entwickelte Fasern, Schmier- und Schutzmittel eröffnen Packungen neue Anwendungsbereiche

• Umfangreiche Zulassungen, z.B. nach TA Luft und die Zertifizierungen für fugitive Emissionen

• Gutes Preis/Leistungsverhältnis [...]

Cyril X. Latty, Thierry Ledauphin (LATTY® International S.A.)
Formteile:

Sind Formteile Dichtungen? Als Antwort auf diese Frage erhält man im Markt recht unterschiedliche Ansichten. Unbestritten ist, dass Formteile durchaus abdichtende Funktionen haben und damit eigentlich Dichtungen sind. Verschiedene Beispiele zeigen eine breite Lösungs- und Anwendungsvielfalt.

„Kundenspezifische Lösungen mit kurzen Lieferzeiten – das ist die zentrale Herausforderung, der man nur mit hohem Beratungs-Know-how und der richtigen Fertigungstiefe begegnen kann.“ – Jürgen Siedler, Geschäftsführer M+S Silicon GmbH & Co. KG

„Mikro-Verbundteile sind hochpräzise Formteile mit einem sehr geringen Elastomeranteil, der in vielen Fällen unter 0,1 g pro Teil liegt. Die für die Elastomertechnik sonst gültige DIN ISO 3302-1 ist bei Mikro-Verbundteilen nicht mehr anwendbar.“ – Jochen Kugler, Geschäftsleitung, Hoffmann GmbH

„Moderne Fahrzeugkonzepte in Kombination mit der begleitenden Gesetzgebung geben imme wieder Impulse für Entwicklungen, die sich gut mit abdichtenden Formteilen realisieren lassen.“ – Manfred Schwarzmeier, Entwicklung Polymersysteme, Woco Industrietechnik GmbH

„Die Verarbeitung von Elastomer, Thermoplast- und Flüssigsilikon- Formteilen unter einem Dach ist heute ein wichtiger Vorteil. Dadurch vereinen wir Werkstoff- und Werkzeugkompetenz sowie Erfahrung in drei unterschiedlichen Fertigungsbereichen.“ – Dipl.- Ing. Julian Kremer, Vertriebsingenieur, Kremer- Kautschuk-Kunststoff GmbH & Co. KG

„Gespritzte Kunststoffteile mit abdichtender Funktion sind gerade für kleine Losgrößen eine interessante Alternative zu Dichtungslösungen mit metallischen Trägern – und das für viele Einsatzbranchen.“ – Jürgen Ohr, Geschäftsführer, Guilliard & Dörr GmbH

„Moderne Dichtungssysteme sind heute in verschiedenen Anwendungen, wie z.B. Diesel-Abgassystemen die funktionsbestimmenden Elemente.“ – Marco Bacchi, Head of Engineering R&D, Dätwyler Rubber [...]

Jürgen Siedler (M+S Silicon GmbH & Co. KG), Jochen Kugler (Hoffmann GmbH), Manfred Schwarzmeier (Woco Industrietechnik GmbH), Dipl.- Ing. Julian Kremer (Kremer- Kautschuk-Kunststoff GmbH & Co. KG), Jürgen Ohr (Guilliard & Dörr GmbH), Marco Bacchi (R&D, Dätwyler Rubber)
Flüssigdichtungen:

Beim Druckgießen ergeben sich vielfältige Dichtungsanforderungen. Es lohnt sich, bereits im frühen Stadium der Neukonstruktion auf eine wirtschaftliche Umsetzung des Dichtungssystems zu bestehen. Die immer kürzeren Entwicklungs- und Lebenszyklen von Bauteilen  erfordern schnelle und prozesssichere Lösungen, die auch bei kurzfristigen Änderungen flexibel optimierbar bleiben. Das Druckgusswerk Ortmann setzt auf frei auftragbare Dichtungssysteme, die ein breites Spektrum an Möglichkeiten beim Abdichten unterschiedlichster Bauteile bieten.

Es gibt Dichtprozesse, die lassen sich auch heute noch mit einem Standard O-Ring oder einer Formteildichtung, z.B. aus Moosgummi, zufriedenstellend lösen. Gleichzeitig wächst aber auch im Druckgussbereich die Zahl der Anwendungen, bei denen Bauteile mit relativ komplexen Geometrien und z.T. extrem hohen Stückzahlen prozesssicher abgedichtet werden müssen. Um mit hoher Reproduzierbarkeit, auf stabilem Qualitätsniveau und bei gleichzeitiger Kostenoptimierung wettbewerbsfähig fertigen zu können, bedarf es eines automatisierten Verfahrens – entweder im eigenen Hause oder bei einem erfahrenen Dienstleistungsunternehmen. Am Markt verfügbare Standarddichtungen sind hierfür meist nicht ausreichend. Vielmehr stellt sich die Frage nach einer maßgeschneiderten Dichtungslösung und deren rationeller Realisierung. [...]

Dipl.-Betriebswirt (BA) Wolfgang Pfau (Michelfelder GmbH - West)
Klebetechnik:

Der Einsatz von Klebetechnik nimmt in den verschiedensten Branchen kontinuierlich zu. Dabei ist die Auswahl der „richtigen“ Lösungen für Konstrukteure, Einkäufer und Qualitätsmanager keineswegs trivial.

Nicht nur durch die wachsenden Einsatzmöglichkeiten, auch durch die steigenden Anforderungen an Baugruppen und ihre Klebverbindungen nehmen die Anforderungen an die Klebetechnik permanent zu. [...]

>> Teil 1

>> Teil 2

>> Teil 3

DELO Industrie Klebstoffe GmbH & Co. KG
Be- und Verarbeitung:

Aufgrund ihrer Materialeigenschaften und niedrigen Kosten werden heute immer mehr Polymere als Werkstoff für Bauteile und Dichtungen in den unterschiedlichsten Produkten und Branchen gewählt. Aber die Kunststoffoberflächen eignen sich nur selten zur sofortigen Weiterverarbeitung. Mit Hilfe von Oberflächenvorbehandlungen durch eine kaltaktive Plasmaaktivierung wird es möglich, dass solche Werkstoffe miteinander verbunden werden können.

Mit der Oberflächenvorbehandlung erreicht man eine Verbundhaftung, die den höchsten Ansprüchen an die Zugfestigkeit entspricht und aufgrund der chemischen Verbindungen dauerbeständig gegenüber Sterilisation, Chemikalien, Hydrolyse, hohen Temperaturen und Strahlen bleibt. Mit der kaltaktiven Plasmaaktivierung können – durch Wahl verschiedener Prozessgase oder Gasmischungen – unterschiedliche funktionelle Gruppen (Carboxyl-, Carbonyl-, Hydroxyl-, Amin-, Carbonitrilgruppen u.a.m.) auf der Materialoberfläche ausgebildet werden, die – je nach Kunststoffart und Anwendungsziel maßgeschneidert für die Nachfolgeprozesse – als kohäsive Haftpunkte für eben solche chemischen Prozesse dienen. [...]

Yvonne Köppl (Reinhausen Plasma GmbH)

So breit gefächert die Anforderungen an Dichtungen sind, so vielfältig können thermische Beschichtungen Lösungsansätze bieten. Die Praxis macht jedoch deutlich – jedes Dichtungssystem benötigt seine individuell abgestimmte thermische Beschichtung, damit sie effektiv zur Funktionssicherheit, Lebensdauererhöhung und damit Kostensenkung beitragen kann.

Je nachdem, ob die Dichtung langsam oder schnell läuft, statische oder dynamische Funktionen übernimmt oder mit den unterschiedlichsten Medien in Kontakt kommt – dies alles hat Einfluss auf die Auswahl des passenden Werkstoffs. Erst durch die richtige Wahl der geeigneten Gegenlauffläche wird die Lebensdauer einer Dichtung deutlich  verbessert.

So ist z.B. bei dynamischen Abdichtungen für drallfrei geschliffene Dichtflächen 1 eine Keramikschicht aus Chromoxid, aufgetragen im Plasma- oder Hochgeschwindigkeitsverfahren, der Werkstoff der ersten Wahl. Das Dichtelement kann in diesem Fall z.B. aus Fluorkautschuk sein. Häufige Bauteile, die diese Art von Beschichtung verlangen sind Wellenschonhülsen, Drehverteiler oder Gleitringträger. [...]

Claudia Hoffmann (Rybak + Höschele RHV-Technik GmbH & Co. KG)

Die auf den ersten Blick sehr unterschiedlichen Bereiche der Dichtungsmontage und Niederdruck-Vergusstechnik haben bei genauer Betrachtung einiges gemeinsam. Bei beiden Verfahren geht es um Dichtheit und bei vielen Unternehmen kommt zunehmend eine Vielzahl von Dichtungslösungen zum Einsatz. So lassen sich z.B. Synergien nutzen, wenn auf vergossenen Bauteilen zusätzlich O-Ringe, – sei es zur Befestigung, Einbaudämpfung, etc. – zu montieren sind. Hier auf Lösungsansätze aus einer Hand zu setzen, kann einen nachhaltigen Einfluss auf die Wirtschaftlichkeit einer derartigen Gesamtlösung haben.

Auch wenn beide Verfahren nicht kombiniert werden, bietet ein hoher Automatisierungsgrad der Dichtungsmontage verschiedene interessante Aspekte – von der Prozessoptimierung über hohe Qualitätsstandards bis hin zur Wirtschaftlichkeit der gewählten Lösungen. Elektronik effizient abdichten Während die automatisierte Dichtungsmontage in allen Branchen zum Einsatz kommt, wird die Niederdruck-Vergusstechnik im Wesentlichen im Elektronik- und Elektrobereich sowie in der Kabelkonfektionierung eingesetzt. [...]

Friedrich Wilhelm Jülicher (OHRMANN MONTAGETECHNIK GmbH)
© ISGATEC GmbH 2018