14.03.2016

Trendcheck "Braucht die Mikrotechnik neue Sourcing-Strukturen?"

Immer kleiner, besser, leistungsfähiger –keine Frage, der Trend zu immer kleineren Bauteilen und Komponenten ist unaufhaltsam und auch nicht neu. In der KFZ-Industrie – insbesondere für neue Fahrzeugkonzepte wie E-Mobile oder Selbstfahrer, mit ihrem Mehr an Elektronik, Mechanik etc. damit aber auch zwangsweise mehr Gewicht und höherem Verbrauch sind Mikrobauteile und -komponenten angesichts der aktuellen und zukünftigen Verbrauchsgrenzwerte ein Muss. Dabei müssen wir uns wohl keine Gedanken machen, dass die benötigten Mikrobauteile nicht entwickelt werden könnten.

Die Grenzen der Machbarkeit scheinen aktuell in den derzeitigen Beschaffungs- und Fertigungsstrukturen zu liegen. Denn welcher Rohstoff- oder Halbzeug-Lieferant hat ein großes Interesse daran, z.B. 1 kg hochviskosen Klebstoff, Flüssigsilikon oder eine 0,35 m2 Titanplatte in 2,3 mm Dicke zu liefern? Oder umgekehrt, welcher Einkäufer will diese Mengen zu „Vollkosten“ von einem Lieferanten beziehen und hat keine gewohnten Alternativen.

Für die Fertigung, z.B. das Wasserstrahlschneiden von Mikrodichtungen, braucht man Spezialmaschinen. Hier dürfen z.B. übliche Vibrationen und Raumtemperaturänderungen nicht zu Lasten der extremen Fertigungsgenauigkeit gehen. Die Qualität jeder Dichtung muss prozesskonstant auf höchstem Niveau sicher sein. Dazu sind zudem Prüfeinrichtungen notwendig, die extrem flexibel sind und doch die Sicherheit der Konstanz gewährleisten müssen. Und dies bei z.T. sehr geringen Mengen (50 bis 500 Stück). Die entsprechende Prüftechnik und der Wechsel der Teile – das hat alles seinen Preis. Unser klassisches kostenoptimiertes Global Sourcing wird für solche Mikroteile nur bedingt infrage kommen. Denn auch hier schlagen die Transportkosten überproportional zu Buche, sodass vermehrt über Regional- oder National-Sourcing nachgedacht werden wird. Bleibt letztendlich die Frage, wo die für die Mikrokomponenten benötigten Sourcing-Strukturen heute sind. Im Bereich Dichten, Kleben, Polymer wird die Thematik nochmals durch verschiedene Faktoren verschärft. Da wäre z.B. die wachsende Menge an Werkstoffen und Compounds, die diese Problematik potenziert. Dazu kommt, dass eine Standardisierung bei Mikroteilen noch unwahrscheinlicher ist als bei klassischen Dichtungen und Formteilen. Schon heute zeichnet sich ab, dass jedes Mikroprodukt ein Projekt ist.

Es ist absehbar, dass sich hier ein neuer Typ von Beschaffungsunternehmen etabliert – aus dem technischen Handel heraus oder im Wettbewerb dazu – , die sich die benötigten Beschaffungsquellen erschließen oder das Wissen aufbauen, wer, wo, was in geringen Mengen liefern kann.

„Die DICHT!-Redaktion ist der Meinung, dass letztlich wohl eher wenige, kleine Spezialisten maßgeblich für die benötigten Sourcing-Strukturen sind. Welche Rolle klassische Anbieter und Händler spielen werden, ist fraglich, denn das Projekt-Geschäft mit kleinen Mengen funktioniert völlig anders als das Massengeschäft und setzt auch andere Kernkompetenzen voraus.“

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24.04.2018 12:36

Trendcheck "Braucht die Mikrotechnik neue Sourcing-Strukturen?" (Montag, 14. März 2016)

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