24.11.2017

Information ist nicht Wissen

Cartoon DICHT! 4.2017

Vor kurzem bin ich wieder auf eine Kolumne von Jörg Friedrich vom September 2012 gestoßen, die in meinen Augen auch heute nichts an Bedeutung verloren hat. Vor ca. 50 Jahren wurde erstmals behauptet, dass sich das Wissen der Menschen ca. alle 10 bis 15 Jahre verdoppeln würde und dass dies in Zukunft noch schneller gehen würde. Seither spricht man von der „Wissensexplosion“ bzw. einer „Informationsflut“, die über uns hinwegrollt. Die Folgen sieht man deutlich – viele Menschen sind extrem durch die Organisation von Wissen bzw. Information ge- wenn nicht überfordert.

Doch zurück zu Jörg Friedrich: Er bezweifelte, dass wir tatsächlich immerzu mehr wissen würden und insbesondere, dass die Menge des Wissens wirklich rasant zunehmen würde. Zudem machte er darauf aufmerksam, dass „Information“ und „Wissen“ offenbar synonym verwendet werden und damit angenommen wird, dass durch mehr Information auch das Wissen wächst. Es lohnt sich, diese These im Bereich Dichten. Kleben. Polymer. zu reflektieren: Je mehr Informationen ich, z.B. über Werkstoffe, Standardformteile oder Lösungsalternativen, erhalte, desto mehr verlieren die Informationen an Eindeutigkeit und Klarheit. Ich kenne dann zwar viele Einzelheiten, weiß aber nichts mehr sicher. Jörg Friedrich folgert zu Recht, dass Wissen und Informationen nicht dasselbe sind und dass die Begriffe nicht verwechselt werden dürfen. Wissen ist immer Deutung von Informationen und er schreibt: „Die Analyse der Datenberge schafft kein neues Wissen, sie vernichtet alte Gewissheiten, die einmal als Wissen gegolten haben und sich nun als Irrtum herausstellen. Der Fehler ist vielleicht, die Deutungen von Informationen, die man für wahr halten kann, mit Wissen schlechthin gleichzusetzen.“

Hier wird ein weiterer Aspekt interessant – der Mensch und wie er mit Informationen und Wissen umgeht. Verweigert er sich dem Neuen, vielleicht aus Gründen der Überforderung und bleibt bei Altbekanntem? Oder akzeptiert er die Entwicklung von Wissen – allerdings unter der Prämisse, dass es neben all dem theoretischen Wissen auch die Ebene des praktischen Wissens gibt? Das Erleben schafft Gewissheit. Dann ist auch die Gefahr, dass man durch neues Wissen vorhandenes vergisst oder revidiert.

Welche Bedeutung hat all dies für den Alltag in unserer industriellen Informationsgesellschaft? Die Forderung „des lebenlangen Lernens“ ist in vielen Bereichen längst Realität. Ebenso wichtig ist aber, wie wir dies tun. Wir sollten zukünftig noch mehr darauf bedacht sein, die Balance zwischen Theorie und Praxis zu wahren. Vieles sollten wir erleben und ausprobieren, um es nachhaltig unserem Erfahrungsschatz hinzuzufügen und zu validem Wissen zu machen. Dies setzt ein hohes Maß an Offenheit und einen Validierungsprozess voraus. Dabei ist z.B. auch der Austausch mit Kollegen, Experten etc. über deren Erlebnisse und Erfahrungen eine wichtige Quelle für Wissen. Aber auch hier ist die Reflektion des Gehörten wichtig, um valide Information von Fake-Information zu trennen. Letztere kann nicht zu allgemeingültigem Wissen führen. Doch genau diese Allgemeingültigkeit und damit Verbindlichkeit ist wichtig, denn sie ist die Basis für Entwicklung – und hier wird der Bereich Dichten. Kleben. Polymer. auch in Zukunft gefordert sein.

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24.04.2018 12:38

Information ist nicht Wissen (Freitag, 24. November 2017)

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