30.08.2016

Das kann in die Hose gehen

Wer in die Ferne reist, kann so einiges erleben. Und auch als Weitgereister macht man so seine Erfahrungen. Dabei sollte man nie davon ausgehen, dass – z.B. beim Essen – alles so ist, wie daheim. Da muss man nicht groß drüber reden, das passt schon – ist keine risikolose Haltung. So ist es mir neulich bei unseren französischen Nachbarn passiert, deren Fisch normalerweise über jeden Zweifel erhaben ist. Mit dieser Einstellung fiel mir zwar der salzige Geschmack auf, er löste aber keinen Alarm bei mir aus. Bei Fisch aus deutschen Landen hatte ich eher reagiert. Wie sich dann nachts herausstellte, war das ein Fehler mit durchschlagenden Folgen. Da gab es wohl ein Problem in der Kühlkette. Ich weiß, dass es so was gibt, aber doch nicht in Frankreich, einem Land, in dem der Fischtransport vom Atlantik bis zum Elsass normalerweise perfekt organisiert ist.

Aber was hat das mit Dichtungen zu tun? Nichts und doch wieder viel. Auch bei Dichtungen geht es letztendlich um Qualität. Und die leidet selbst bei guter Ausgangsqualität, wenn die Kette unterbrochen wird oder der Flow nicht stimmt?

Cartoon DICHT! 3.2016

Wir gehen bei unseren Einkäufen oft davon aus, dass unsere Lieferanten das gleiche Verständnis von Qualität haben wie wir. Wir gehen ebenso davon aus, dass der Lieferant versteht, dass dies für die Prozesssicherheit von großer Bedeutung ist. Und wir unterstellen, dass ihn das interessiert. Also reden wir nicht mehr über das, was uns wichtig ist – und das kann schnell in die Hose gehen. Nehmen wir nur das Beispiel einer Elastomermischung für eine Dichtung. Fast jede ölbeständige Mischung enthalt Weichmacher. Ob es aber 3% oder gar 10% sind, entscheidet über Prozesskonstanz. Im tieferen Temperaturbereich ist ein hoher Anteil sogar vorteilhaft, bei steigenden Temperaturen aber wandern die Weichmacher aus der Mischung. Die Dichtungen haben Schwund, werden härter und können ihre Funktion nicht mehr – wie definiert – erfüllen. Schwund, wie das Abnehmen durch verdorbene Speisen, muss gewollt sein und kontrollierbar sein. Dafür müssten aber die Grenzwerte in beiderseitigem Einverständnis festgelegt werden – versuchen Sie das mal mit Ihrem Fischhändler. Bei Ihrem Dichtungslieferanten können sie dieses Gespräch schon eher führen, es musste nur ausreichend gemacht werden.

Und dann ist da noch das analoge Problem der Lieferkette. Auch Dichtungsstoffe altern und verderben. So ist es nicht weniger problematisch, wenn ein Mischungslieferant den Compound nicht zeitnah an den Verarbeiter liefert, dieses Compound aber zwischenzeitlich z.B. Ozon ausgesetzt ist. Vom Grundsatz her, sind diese Compounds vorvulkanisiert, vorgeschädigt, sodass aus diesen keine guten Dichtungen mehr produziert werden können. Wenn die Lieferketten nicht voll aufeinander abgestimmt werden, ist die Qualität nicht konstant gut. Die Probleme sind adäquat zu verdorbenen Lebensmitteln. Sie sehen es den Teilen nicht an. Sie können gut sein, aber auch absolut schlecht. Dabei langt ein einziges Teil, um schwerste Schäden zu verursachen.

Im Endeffekt habe ich nichts dagegen, 4 kg weniger auf der Waage zu haben, doch ein persönlicher Gewichtsverlust ist nichts gegen die Schäden, die eine mangelhafte Dichtung verursachen kann. Und ich hatte die Auslöser und Umstände gerne selbst im Griff gehabt. So wurde ich Opfer eines schlechten Qualitätsmanagements. So wie es mir auch wichtig ist, dass ich von meinen Lieferanten wissen will, was und wie sie etwas zusammenmischen und wie sie sicherstellen, dass hier konstant und zuverlässig gearbeitet wird. Darüber wird mehr zu reden sein – sonst geht es zu oft in die Hose.

Themen:
Kommentare:

24.04.2018 12:37

Das kann in die Hose gehen (Dienstag, 30. August 2016)

Ihr Name *
Ihre E-Mail-Adresse *
1000 Zeichen möglich
Ihr Kommentar *
 
Ich stimme der Veröffentlichung meines Namens zu
Blog-Artikel - Name *
Blog-Artikel - Link *
Datum / Zeit *
IP-Adresse *
* = Pflichtfelder
© ISGATEC GmbH 2018
» Datenschutz
» Impressum